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Recht auf Auskunft

Das Recht auf Aus­kunft einer betrof­fe­nen Per­son ist eines der wesent­li­chen Rech­te von Betrof­fe­nen durch die Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung (DSGVO).

Ver­ant­wort­li­che sind danach ver­pflich­tet eine Bestä­ti­gung dar­über zu ertei­len, ob und in wel­chem Umfang Ver­ant­wort­li­che per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten verarbeiten.

Doch die­ses Recht auf Aus­kunft ist manch­mal von betrof­fe­nen Per­so­nen sehr weit ausgelegt.

Doch dabei ist ein gewis­ser Rah­men zu beachten.

Das OLG Nürnberg

Genau hier­zu hat sich nun das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg (OLG Nürn­berg) in sei­nem Urteil vom 14.03.2021 (Az.: 8 U 2907/21) geäußert.

In der Beru­fungs­in­stanz strit­ten ein Ver­si­che­rungs­neh­mer (Klä­ger) und eine Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft (Beklag­te) über die Unwirk­sam­keit meh­re­rer Bei­trags­er­hö­hun­gen im Rah­men einer zwi­schen ihnen bestehen­den pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung sowie über hier­aus fol­gen­de berei­che­rungs­recht­li­che Erstattungsansprüche.

In Ver­bin­dung hier­mit mach­te der Klä­ger auch einen Aus­kunfts­an­spruch nach Art. 15 DSGVO gel­tend und ver­lang­te mit­hin Aus­kunft dar­über, ob und wann in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Bei­trags­an­pas­sun­gen erfolg­ten und um Vor­la­ge der ent­spre­chen­den Dokumente.

Das OLG Nürn­berg posi­tio­nier­te sich bezüg­lich die­ses Antrags sehr deut­lich und sah für solch ein Aus­kunfts­er­su­chen ins­be­son­de­re kei­ne Rechts­grund­la­ge in Art. 15 Abs. 1 DSGVO.

Das Gericht stuf­te den Antrag des Klä­gers als rechts­miss­bräuch­lich ein und ver­wies auf die Berück­sich­ti­gung des Schutz­zwecks der DSGVO und den Erwä­gungs­grund 63, der in Satz 1 besagt:

„Eine betrof­fe­ne Per­son soll­te ein Aus­kunfts­recht hin­sicht­lich der sie betref­fen­den per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten, die erho­ben wor­den sind, besit­zen und die­ses Recht pro­blem­los und in ange­mes­se­nen Abstän­den wahr­neh­men kön­nen, um sich der Ver­ar­bei­tung bewusst zu sein und deren Recht­mä­ßig­keit über­prü­fen zu können.“

Nicht im Sin­ne der DSGVO

Nach Auf­fas­sung des Gerichts ver­folg­te der Klä­ger gera­de nicht die­se von der DSGVO umfass­ten, son­dern ande­re Zwe­cke und führ­te aus:

„Um ein sol­ches Bewusst­wer­den zum Zweck einer Über­prü­fung der daten­schutz­recht­li­chen Zuläs­sig­keit der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten geht es dem Klä­ger aber ersicht­lich nicht. Sinn und Zweck der von ihm begehr­ten Aus­kunfts­er­tei­lung ist viel­mehr – wie sich aus der Kop­pe­lung mit den unzu­läs­si­gen Kla­ge­an­trä­gen auf Fest­stel­lung und Zah­lung zwei­fels­frei ergibt – aus­schließ­lich die Über­prü­fung etwai­ger von der Beklag­ten vor­ge­nom­me­ner Prä­mi­en­an­pas­sun­gen wegen mög­li­cher for­mel­ler Män­gel nach § 203 Abs. 5 WG.

Eine sol­che Vor­ge­hens­wei­se ist vom Schutz­zweck der DS-GVO aber nicht umfasst (vgl. OLG Hamm, Beck­RS 2021,40312 Rn. 11; LG Wup­per­tal, r+s 2021, 696 Rn. 33).“

Das Wei­ge­rungs­recht

Das Gericht stell­te auch klar, dass gegen sol­che rechts­miss­bräuch­li­chen Aus­kunfts­an­sprü­che, wie der des Klä­gers, dem Ver­ant­wort­li­chen ein Wei­ge­rungs­recht aus Art. 12 Abs. 5 Satz 2 lit. b DSGVO zusteht.

Das OLG Nürn­berg sieht kei­ne stren­ge Begren­zung des Wei­ge­rungs­rechts­rechts des Ver­ant­wort­li­chen und führt aus:

„Die Vor­schrift führt zwar ledig­lich die häu­fi­ge Wie­der­ho­lung als Bei­spiel für einen „exzes­si­ven“ Antrag auf. Die Ver­wen­dung des Wor­tes „ins­be­son­de­re“ macht aber deut­lich, dass die Vor­schrift auch ande­re rechts­miss­bräuch­li­che Anträ­ge erfas­sen will […].“

Sinn und Zweck

Die­se kla­re Posi­tio­nie­rung des OLG Nürn­berg ist zu begrüßen.

Denn es ist zu bewer­ten, ob ein Aus­kunfts­er­su­chen dem Sinn und Zweck der DSGVO ent­spricht oder viel­mehr ande­re Inter­es­sen verfolgt.

Genaue Prü­fung

Doch erst nach einer genau­en Prü­fung bzw. Abwä­gung ist beim einem Aus­kunfts­er­su­chen das Wei­ge­rungs­recht aus Art. 12 Abs. 5 Satz 2 lit. b DSGVO anzuwenden. 

Also las­sen Sie sich gut beraten.

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